Luzerner Volleyballer feiern im Nationalteam einen historischen Erfolg25.08.22

Die Schweizer Volleyballer qualifizieren erstmals sportlich für eine EM, und das unter schwierigen Bedingungen. Mittendrin: Fünf Akteure von Volley Luzern.

  • EM-Quali - Concordia Volley Luzern - LuzernerZeitung

Bild: Walter Bieri/Keystone in LZ - "Trainer Mario Motta freut sich mit Passeur Peer Harksen über die Qualifikation."

Text: Stephan Santschi / Luzerner Zeitung vom 25.08.2022

 

Die Kulisse mit 1100 Fans in Schönenwerd war grossartig. Die Schweizer feierten ausgelassen, die bosnischen Schlachtenbummler gebärdeten sich mit nacktem Oberkörper in Partylaune, wie man es aus dem Fussball kennt. Und am Ende stand für die Schweizer Volleyball-Nationalmannschaft ein historischer Erfolg zu Buche – erstmals seit 1971 löste sie das Ticket für eine Europameisterschaft. Während damals eine Anmeldung genügte, musste sie sich diesmal harter Konkurrenz erwehren. «Es herrschten wahnsinnige Emotionen, wir empfanden eine riesige Erlösung», erzählt Marco Fölmli.

Der 42-jährige Chefcoach von Volley Luzern ist seit fünf Jahren Assistenztrainer der Schweizer und kann den Erfolg darum gut einschätzen. «Wir sind in den letzten Jahren zwei Mal knapp an der EM-Qualifikation gescheitert, einige haben nicht mehr daran geglaubt und das Team verlassen.» Mit Thomas Brändli, Samuel Ehrat (Rücktritt), Julian Fischer (Studium) und Jovan Djokic (verletzt) waren vier frühere Leistungsträger nicht verfügbar. Auch Trainer Mario Motta zweifelte an seinem Engagement und mutmasste, dass das Team neue Inputs brauchten könnte. «Glücklicherweise haben wir ihm das ausreden können», sagt Fölmli. «Er pusht das Team, holt das Maximum aus ihm heraus.»

Bruthitze, langes Warten, dreckige Hotels

In der Gruppe G traf die Schweiz in den letzten drei Wochen auf Rumänen, Bosnien-Herzegowina und Albanien. Mit Ausnahme des Auswärtsspiels in Rumänien gewann sie alle Partien und schaffte den Cut als bester Gruppenzweiter. So souverän die Ergebnisse wirken, so schwierig waren zuweilen die Umstände. Flugzeuge mit technischen Problemen, stundenlanges Warten auf Flughäfen, unhygienische Hotels mit eigenartigem Essen, lange Bustransporte bei Bruthitze ohne Klimaanlage, keine Spielfeldbegrenzung und zu wenig Licht im Training, geschlossene Kabinen – «es ist eigentlich alles passiert, was passieren kann», erzählt Fölmli und schmunzelt.

Der hervorragend bestückte Staff und die Mannschaft bewältigten allerdings alle Unwägbarkeiten und gefielen mit ausgewogenen Auftritten. «Die Verantwortung verteilte sich auf dem Platz auf alle Positionen, wir haben keinen ausserordentlichen Schlüsselspieler», berichtet Fölmli, der vor allem für das Coaching des Blocks und der Abwehrarbeit zuständig war. Positiv überrascht hat unter anderen der 21-jährige Alex Lengweiler, den Volley Luzern in diesem Sommer als Mittespieler engagiert hat. Mit Passeur Peer Harksen kam ein weiterer Luzerner zu viel Spielzeit, während Luca Müller kurzzeitig in der Verteidigung aushalf und Bruno Jukic auf der Bank für mentale Unterstützung sorgte.

«Wir wollen nicht verhauen werden»

Die EM 2023 wird in Italien, Mazedonien, Bulgarien und Israel stattfinden. Selbstredend ist, dass die Konkurrenz dort ungleich grösser sein wird, zu nennen sind in erster Linie Olympiasieger Frankreich, Weltmeister Polen und Europameister Italien. «Wir wollen aber nicht dahinfahren, um von allen verhauen zu werden. Je nach Gruppenkonstellation rechnen wir uns schon Chancen aus», bemerkt Fölmli, der Nationen wie Rumänien, Dänemark oder Montenegro in Schweizer Reichweite ortet. Zunächst gilt der Fokus nun aber seinem Trainerjob bei Volley Luzern, das Anfang Oktober in die NLA-Meisterschaft starten wird.

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